Methodenübung: Psychiatrische Krankenakten als historische Quellen

  • methodisches Instrumentarium
  • medientheoretische Ansätze
  • konkrete Quellenarbeit
  • Interpretationpotenziale und -schwierigkeiten

 

 

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Methodenübung: Psychiatrische Krankenakten als historische Quellen

Die sozial- wie wissenschaftshistorische Bedeutung von psychiatrischen Krankenakten ist unumstritten. Sie geben Aufschluss über psychiatrische Behandlungs- und Begutachtungspraktiken, zeitspezifische Auffassungen von geistiger Gesundheit und Krankheit, aber auch über das Funktionieren und Wissen der Institution.
Die Übung kombiniert einen Theorie- und Praxisteil. Der erste Bereich behandelt die Psychiatriegeschichte sowie das methodische Instrumentarium zur Untersuchung dieser spezifischen Quellengattung einschließlich neuerer medientheoretischer Ansätze. Der zweite Bereich zielt darauf ab, eine Auswahl von Krankenakten und anderen patientenbezogenen Aufschrieben aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu analysieren und am Material ihre institutionelle Verwendung zu diskutieren. Durch die konkrete Quellenarbeit sollen die Interpretationspotenziale und -schwierigkeiten dieses in vielerlei Hinsicht sperrigen Materials veranschaulicht werden.
Die Veranstaltung richtet sich sowohl an Studierende im Fach Geschichte als auch an Studierende der Medizin, die eine medizinhistorische Promotion anstreben.

Dozent*innen: Gundula Gahlen/Volker Hess/Henriette Voelker

Wintersemester 2020/21
Zeit: donnerstags 14-16 Uhr
Veranstaltungsbeginn: 5.11.2020
Ort: Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Thielallee 71, 14195 Berlin, Seminarraum
SWS: 2

Bitte melden Sie sich bis zum 25.10.2020 per Mail an: stefanie.voth@charite.de

PDF zum Download

Literatur

  • Alexandra Bacopoulos-Viau/Aude Favel, The patient’s turn: Roy Porter and psychiatry’s tales, thirty years on, in: Medical History 60 (2016), S. 1-18
  • Volker Hess, Observatio und Casus: Status und Funktion der medizinischen Fallgeschichte, in: Susanne Düwell und Nicolas Pethes (Hrsg.), Fall – Fallgeschichte – Fallstudie. Theorie und Geschichte einer Wissensform, Frankfurt am Main 2014, S. 34-59
  • Sophie Ledebur, Schreiben und Beschreiben. Zur epistemischen Funktion von psychiatrischen Krankenakten, ihrer Archivierung und deren Übersetzung in Fallgeschichten. Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 34 (2011), S. 102-124
  • Ulrich Müller, Metamorphosen - Krankenakten als Quellen für Lebensgeschichten, in: Petra Fuchs (Hrsg.), "Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst". Lebensgeschichten von Opfern der nationalsozialistischen "Euthanasie", Göttingen 2007, S. 80-98
  • Guenter B. Risse/John Harley Warner, Reconstructing Clinical Activities: Patient Records in Medical History, in: Social History of Medicine 5, Issue 2, August 1992, S. 183-205