Öffentlicher Gesundheitsdienst im Nationalsozialismus (ÖGD)

  • Umsetzung der Erb- und Rassenpflege in den Gesundheitsämtern
  • Einfluss des NS-Parteiapparates
  • personelle Dis-/Kontinuitäten
  • Thüringen und Württemberg im Vergleich

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Die Rolle des ÖGD im NS

Dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) kam spätestens seit seiner Neustrukturierung mit dem Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens (GVG) im Juli 1934 eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der biologistischen bevölkerungspolitischen Vorstellungen und Zielsetzungen des nationalsozialistischen Staates in Form der "Erb- und Rassenhygiene" zu.

Zum Hintergrund

Mit dem Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens (GVG) wurde eine seit der Weimarer Republik im Grundsatz angestrebte Reform des kommunal strukturierten und von verschiedensten Einrichtungen getragenen Öffentlichen Gesundheitswesen seit 1935 im Sinne des nationalsozialistischen Staates umgesetzt, das Gesundheitswesen mit der Schaffung von Gesundheitsämtern und der Funktion des Amtsarztes aus der Perspektive des neuen Staates zentralistisch organisiert.

Vorhandene Arbeitsbereiche blieben dabei weitgehend unangetastet. Vor allem aber wurden alle, mit der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik erhobenen Ansprüche und Entscheidungen im Zusammenhang mit dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" (GzVeN) und die damit verbundenen Sterilisierungen und vieles andere mehr den mit neuen Aufgaben versehenen bzw. neu eingerichteten Institutionen "Gesundheitsamt" und "Amtsarzt" übertragen. Schließlich waren Amtsärzte an der Umsetzung der sogenannten "Kindereuthanasie" beteiligt und in die Selektion zur Räumung von Krankenanstalten, mit der ausgewählte Insassen der sogenannten "Euthanasie" zugeführt wurden, involviert.

Ziel des Forschungsprojekts

Am Beispiel Thüringen und Württemberg wird gefragt nach

  • der Umsetzung von 'Erb- und Rassenpflege' in den Gesundheitsämtern
  • den Ermessensspielräumen von Amtsärzten
  • den regionalen Besonderheiten und möglichen Unterschieden zwischen Stadt und Land, Kommune und Staat,
  • dem Einfluss des NS-Parteiapparates auf die Arbeit der Gesundheitsämter
  • den Auswirkungen der Kriegszeit auf die konkreten Tätigkeiten der Gesundheitsämter und
  • nach Aspekte(n) inhaltlicher und / oder personeller Kontinuität / Diskontinuität im ÖGD nach 1945

Wanderausstellung "Volk Gesundheit Staat"

Hans Bergemann, Dr. Sabine Schleiermacher
Volk Gesundheit Staat - Gesundheitsämter im Nationalsozialismus
Berichte und Dokumente zur Zeitgeschichte 10
Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin/Forschungsschwerpunkt Zeitgeschichte. Berlin 2019

Die Wanderausstellung - präsentiert auf dem 69. Wissenschaftlichen Kongress des BVÖGD (04.-06.April 2019) - präsentiert Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt "Der Öffentliche Gesundheitsdienst in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Beispiele Thüringen und Württemberg"

Projektinfos

Wiss. Bearbeitung: Dr. Sven Kinas

Leitung: PD Dr. Sabine Schleiermacher
Forschungsschwerpunkt Zeitgeschichte der Medizin

Förderung: Bundesverband der Ärzte und Ärztinnen des öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V. (BVÖGD), Bundesministerium für Gesundheit

Kontakt

Sven Kinas

Gastwissenschaftler

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