Geschichte des Arzneimittels Thalidomid (Contergan)

"Ways of globalization – Die internationale Vermarktung und Kontrolle thalidomidhaltiger Medikamente" ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt.

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Über das Projekt: der Wirkstoff Thalidomid

Der Wirkstoff Thalidomid wurde im Jahr 1961 aufgrund der durch ihn verursachten Fehlbildungen des menschlichen Embryos bekannt. Die von der öffentlichen Skandalisierung geprägte Wahrnehmung der 1960er Jahre fand ein weltweiches Echo. Seit dieser Zeit gilt Thalidomid als herausragendes Beispiel für die unzulängliche Kontrolle von Arzneimittelnebenwirkungen und als Ausgangspunkt für die Entwicklung der rezenten Arzneimittelgesetzgebung. Trotz ihrer globalen Dimension wird die Geschichte thalidomidhaltiger Medikamente oft aus der jeweiligen Perspektive der besonders betroffenen Länder betrachtet, so dass das Gesamtthema tendenziell als die Summe derjenigen nationalen Geschichten erscheint, über die journalistische oder wissenschaftliche Veröffentlichungen vorliegen.

Fragestellungen zur Wirkungsgeschichte von Thalidomid

Das Projekt "Geschichte des Arzneimittels Thalidomid (Contergan)" untersucht drei Dimensionen einer globalen Wirkungsgeschichte des Arzneimittels Thalidomid in dem Zeitraum von 1955 bis 1965

1. die internationale Vermarktung und Distribution thalidomidhaltiger Medikamente

2. das Bekanntwerden der teratogenen Wirkung und die weltweite Verteilung der so entstandenen Fehlbildungen

3. die unmittelbaren Reaktionen der relevanten Akteure und Institutionen hinsichtlich der Zurücknahme und Kontrolle thalidomidhaltiger Medikamente

Projektziele

Ziel des Projektes ist es, die transnationalen Strukturen des pharmazeutischen Marktes in den Jahren um 1960 aus der Perspektive eines Wirkstoffes ("drug trajectory") zu analysieren. Die Rekonstruktion seiner Geschichte bildet die Grundlage für die Untersuchung der zeitlichen Entwicklung und der räumlichen Muster der aufgetretenen teratogenen Schäden. Somit wird die Frühphase der globalen Geschichte thalidomidhaltiger Medikamente erstmalig in ihren wesentlichen Zügen präsentiert werden können. Dabei werden Verbindungen zur nachfolgenden Entwicklung dieser Medikamente zu verdeutlichen sein, auch wenn ihr Einsatz in der Behandlung von Lepra seit Mitte der 1960er Jahre und die zunehmende Erweiterung ihrer Indikationsgebiete seit den 1990er Jahren selbst nicht Gegenstand dieses Projekts sind.

Publikationen

Wimmelbücker, Ludger: Grippex 1956-1961. Ein anderer Blick auf die Geschichte thalidomidhaltiger
Medikamente in der Bundesrepublik Deutschland
. In: Thomas Großbölting/Niklas Lenhard-Schramm (Hg.), Contergan – Hintergründe und Folgen eines Arzneimittel-Skandals. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2017, S. 167-203

Kontakt

Titel: "Ways of globalization – Die internationale Vermarktung und Kontrolle thalidomidhaltiger Medikamente"
Dr. Ludger Wimmelbücker | wiss. Projektmitarbeiter

CharitéUniversitätsmedizin Berlin
Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin
Thielallee 71
14195 Berlin

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) | Laufzeit:06/2014 - 06/2020