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Forschung im Institut für Geschichte der Medizin

  • Geschichte der Charité
  • Sozialmedizin und Psychiatrie
  • historische Epistemologie und Pharmazie
  • Medizin und Gender, Medizin im NS

In dieser Spannbreite bewegen sich die Forschungsgebiete am Institut für Geschichte der Medizin.

Sie befinden sich hier:

Die Forschungsgebiete

Geschichte der Berliner Medizin und der Charité | Charité nach 1945 | GeDenkOrt.Charité

Sozialgeschichte der Medizin und des Gesundheitswesens (19./20.Jh.) | Medizin im Nationalsozialismus | Zeitgeschichte der Medizin

Historische Epistemologie/ Labor und Experiment (19./20. Jh.) | Medizin und Gender in historischer Perspektive | Geschichte der Psychiatrie

Neue DFG-Forschungsgruppe startet mit drei Teilprojekten im Oktober 2021 am Institut.

NORMAL#VERRÜCKT. Zeitgeschichte einer erodierenden Differenz
Neue DFG-Forschungsgruppe startet mit drei Teilprojekten im Oktober 2021 am Institut.

Die Geschichte der Psychiatrie ist eine Geschichte der Differenz von „normal“ und „verrückt“. Diese Differenz wird jedoch zunehmend brüchig. Auf der einen Seite gewinnt das Verrückte eine alltägliche Normalität, angefangen von der Öffnung der psychiatrischen Anstalten und Integration der Insass:innen in die Gesellschaft bis hin zum neuen Schlagwort der Neurodiversität- Auf der andere Seite werden Verhaltens- und Reaktionsweisen wie Rausch, Stress oder Aufmerksamkeitsdefizit pathologisiert und Gegenstand psychiatrischer Interventionen. Damit verlieren bislang bewährte Narrative der Psychiatriegeschichtsschreibung ihre Deutungskraft, die sich gerade jener Dichotomie verdankt, die gegenwärtig in Frage steht. Hier setzt unsere  interdisziplinäre Forschungsgruppe an. Sie versucht nicht, eine Veränderung der Konzepte von Verrücktheit nachzuzeichnen, sondern diese gegenläufigen Tendenzen als Ressource für die Zeitgeschichte zu mobilisieren. So will sie eine psychiatrische Zeitgeschichte nach Vorbild einer „Anthropology of the present“ entwerfen, die auch gegenwärtige Deutungsschemata von normal#verrückten Welten einer historischen Analyse unterzieht..

Verrückte Rationalitäten: Medientechniken und Protestbewegungen, 1967–1991 (Dr. Susanne Doetz, Projektleitung: Prof. Dr. Volker Hess)

Das Teilprojekt der DFG Forschungsgruppe Normal-Verrückt nimmt jene Bewegungen in den Blick, die in den Jahren zwischen gesellschaftlichem Aufbruch (1967/68) und der zu Ende gehenden Nachkriegszeit (1989/91) für andere Rationalitäten in der BRD eintraten. Diese „Verrückten Rationalitäten“ werden aber weniger als sozial- und gesellschaftshistorische Phänomene begriffen, sondern als gelebte Form neuer Medientechniken. Das Teilprojekt bringt damit zwei argumentative Bausteine in die Forschungsgruppe ein: (1) Materiale Geschichte von Antipsychiatrie, Frauenbewegung & Esoterik/New Age. (2) Pluralisierung von Wahrheit und Wirklichkeit durch medientechnische Vervielfältigungstechniken.

Das besorgte Selbst – Prävention psychischer Störungen in der BRD und DDR 1949-2000 (Projektleitung und –bearbeitung: Prof. Dr. Viola Balz)

Das Teilprojekt der DFG Forschungsgruppe Normal-Verrückt widmet sich den Präventionsbemühungen im Feld psychischer Gesundheit in beiden deutschen Staaten von ihrer Gründung bis zehn Jahre nach der Wiedervereinigung. Im Zentrum der Analyse steht dabei das im Zuge der Prävention psychischer Störung entstehende Dispositiv des „besorgten Selbst“, das hinsichtlich der drei zentralen Komponenten der staatlichen Vorsorge, (sozial)pädagogischen Fürsorge und psychologischen Selbstsorge untersucht werden soll. Das Projekt bringt damit zwei argumentative Bausteine in das FOR ein: 1. Die Veränderungen präventiver Praktiken und Wissenstechniken durch Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen. 2. Die Verschränkung eines besorgten Selbst durch mehr Eigenverantwortung bei gleichzeitiger Entmächtigung durch Vorsorge im Zug staatlicher Präventionsdiskurse.

Berlin auf Droge. Heroinkonsum in der Mauerstadt zwischen Psychiatriereform und AIDS-Phobie in den 1970er- und 1980er-Jahren (Dr. Oliver Falk; Projektleitung Prof. Dr. Thomas Beddies)

Heroinsucht ist eine Erscheinung, die nicht nur individuelle Krankheits- und psychische Ausnahmezustände begründet. Es handelt sich darüber hinaus um eine gesellschaftliche Problemlage, die im Wortsinne „außerordentliche“ Maßnahmen zu rechtfertigen schien. Das Teilprojekt der DFG Forschungsgruppe Normal-Verrückt zielt auf die Identifikation und Analyse jener Phänomene ab, die die gesellschaftliche Sicht auf das Heroinproblem und den Umgang mit Heroinkonsumenten in den 1970er und 1980er Jahren bestimmten. Als maßgebliche Einflussfaktoren sollen die „Psychiatrie-Enquete“ sowie die mit dem Aufkommen von HIV/AIDS verbundenen innerpsychiatrischen wie auch gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen einbezogen werden. Beide Phänomene, so die These, trugen im Drogen-Kontext zu der im Rahmenantrag begründeten „erodierenden Differenz von verrückt und normal“ wesentlich bei. Reaktionsformen zwischen den Polen von Pönalisierung und Akzeptanz des Heroinkonsums führten zum Verlust der psychiatrischen Monopolstellung bei der Deutung und Behandlung der Drogensucht sowie zu einer Diversifizierung (aber auch einer neuen Unübersichtlichkeit) in der Drogenpolitik und im Umgang mit den Konsument*innen, die bis in die Gegenwart wirkt.

Kooperationen

Am Institut sind langjährige drittmittelgeförderte Forschungsprojekte und -kooperationen verankert, u.a. mit der der Université Paris Descartes-CERMES3, dem Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin und der Kueser Akademie für Europäische Geisteswissenschaft (Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues).